Erich Mühsam (1878 - 1934)

Ehrung für Zenzl und Erich Mühsam
Der Friedrichshainer Geschichtsverein Hans Kohlhase ehrt Erich Mühsam anlässlich seines 75. Todestages und Zenzl Mühsam anlässlich ihres 125. Geburtstages im Juli 2009 mit einer öffentlichen Aktion am 10. Juli von 15.00 bis 19.00 Uhr vor der Reichelt-Kaufhalle Mühsamstraße/Eckertstraße.




Am 31. Mai 1951 beschloss der Berliner Magistrat, die Zorndorfer Straße in Mühsamstraße umzubenennen. Zorndorf war 1757 der Ort einer Schlacht Friedrich II. im Siebenjährigen Krieg. Erst am 29. August 1951 kündigte die "Berliner Zeitung" die Umbenennung an. Obwohl man ahnte, dass diese Straße dem deutschen Anarchisten Erich Mühsam gewidmet war, gab es weder eine öffentliche Würdigung, noch wurde der Name Erich Mühsam in dem Umbenennungsbeschluss des Magistrats erwähnt. Auch die "Berliner Zeitung" schrieb nicht, welcher oder welche Mühsam denn eigentlich gemeint war. So ist diese Friedrichshainer Straße die einzige Mühsamstraße in Deutschland, die ohne einen Vornamen auskommen muss. Mühsams Ehefrau Kreszentia Mühsam, genannt Zenzl, war zum Zeitpunkt der Umbennenung bereits mehr als zehn Jahre Gefangene in Stalins Lagern. Weitere vier Jahre blieb sie in der Sowjetunion inhaftiert. Auf Straßenschildern in der Mühsamstraße heißt es: "Erich Mühsam (1878 - 1934) Schriftsteller; als Hitlergegner 1934 im KZ ermordet." Wie in DDR-Zeiten wird verschwiegen, dass Erich Mühsam Anarchist war, der mit dem Staat, mit Parlamenten und den Bonzen (Politikern) nichts am Hut hatte. Verschwiegen wird, wie Zenzl Mühsam auf ihrem langen Leidensweg den gemeinsamen Idealen einer Gesellschaft der Freien und Gleichen treu blieb.

Die historisch-politisch wertvollen Tagebücher Erich Mühsams der Jahre 1916 bis 1919 werden weiterhin in Moskau zurückgehalten und in Deutschland machen die "Linken" einen großen Bogen um das Vermächtnis des außerparlamentarischen Kampfes von Zenzl und Erich Mühsam.
Florian Günther / www.edition-luekk-noesens.de